Laos:
Pastor Naw Karl Mua, US-Staatsbürger (Name korrigiert)
Thierry Falise, belgischer Staatsbürger
Vincent Reynaud, französischer Staatsbürger
und vier laotische Staatsbürger unbekannten Namens
sowie Pa Fue Khang, laotischer Staatsbürger
Am 20. Juni 2003 bestätigte ein Sprecher des laotischen Außenministeriums die Festnahme und Inhaftierung von vier laotischen Staatsbürgern, ohne ihre Namen und ihren Aufenthaltsort zu nennen. Es besteht weiterhin Anlass zur Sorge um ihre Sicherheit und die ihres Fahrers Pa Fue Khang, da amnesty International zahlreiche Berichte aus erster Hand und andere verlässliche Informationen über die weit verbreitete Praxis der Folter und Misshandlung in Polizeizellen und Gefängnissen insbesondere von Hmong vorliegen.
Die vier Laoten waren von den drei oben genannten Ausländern als ortskundige Führer engagiert worden. Die beiden europäischen Journalisten und der US-Pastor, ein Angehöriger der Volksgruppe der Hmong, recherchierten für einen Artikel über eine Gruppe von Hmong-Rebellen. Dabei wurden sie am 4. Juni 2003 in der Provinz Xieng Khouang festgenommen. Als die Journalisten und ihre Begleiter nicht zum vereinbaren Treffpunkt zurückgekehrt waren, kehrte ihr Fahrer Pa Fue Khang nach Hause zurück. Er wurde nach seiner Rückkehr von örtlichen Sicherheitskräften festgenommen. Sein gegenwärtiger Aufenthaltsort ist unbekannt.
Am 15. und 16. Juni 2003 durften der französische Photograph und Kameramann Vincent Reynaud, der belgische Reporter Thierry Falise, und der US-Bürger Naw Karl Mua zum ersten Mal Besuche von Konsularbeamten ihres jeweiligen Landes empfangen. Sie sollen bei relativ guter Gesundheit sein. Thierry Falise durfte auch ein fünfminütiges Gespräch mit seiner Ehefrau führen, die angab, dass er abgenommen hat. Der belgische Journalist hatte in der Vergangenheit ernste gesundheitliche Probleme, die durch die schlechten Haftbedingungen wiederkehren könnten. Naw Karl Mua leidet an Magenbeschwerden.
Die drei Ausländer befinden sich in der Hauptstadt Vientiane in Haft, ihr genauer Aufenthaltsort wurde aber nicht bekanntgegeben, sodass zunehmend Anlass zur Sorge bezüglich ihrer Haftbedingungen besteht. Laut einem Zitat des Außenministers wurden die beiden Europäer wegen ihrer angeblichen Beteiligung an dem Tod eines Sicherheitsbeamten bei einem Zwischenfall am 3. Juni 2003 und nicht wegen ihrer journalistischen Ermittlungen übe die Hmong-Rebellen inhaftiert.
Bislang ist gegen niemanden von ihnen Anklage erhoben worden. Laut Angaben der Behörden sollen die Ermittlungen Ende Juni dieses Jahres abgeschlossen werden.
HINTERGRUNDINFORMATIONEN
Die ethnische Minderheit der Hmong in Laos war während des Vietnamkriegs in den siebziger Jahren ein Verbündeter der US-Streitkräfte bei den Kämpfen sowohl in Vietnam als auch in den Nachbarstaaten Laos und Kambodscha. Seit langem schon streben die Hmong nach Unabhängigkeit und leisten der laotischen Regierung Widerstand. Seit dem Fall des bis dahin herrschenden Regimes und der Gründung der Demokratischen Volksrepublik Laos 1975 sollen bis zu ein Drittel der dort lebenden Hmong das Land verlassen haben. Die meisten von ihnen suchten in den USA Zuflucht, aber viele von ihnen mussten viele Jahre in Flüchtlingslagern in Thailand zubringen. In Laos kommt es sporadisch immer wieder zu Widerstandsaktionen der Hmong, und es gibt Meldungen über schwere Menschenrechtsverletzungen an Hmong, die von den laotischen Behröden pauschal als Regierungsgegner angesehen werden.
Vor kurzem erschien in der Zeitschrift „Time Asia“ eine Photoreportage über eine Gruppe von mehreren 100 Hmong-Rebellen und ihren Familien, nachdem andere ausländische Journalisten sie zuvor ausfindig machen konnten. Anschließend haben auch Vincent Reynaud und Thierry Falise diese Gruppierung aufgesucht, die nur mit veralteten leichten Waffen ausgerüstet ist. Aus Angst vor Vergeltungsaktionen der laotischen Behörden, weigern sie sich, ihre Waffen niederzulegen. Zu der Gruppe gehören Frauen, Kinder und alte Menschen (siehe auch UA 168/03 vom 11. Juni 2003). Sie haben weder Zugang zu dringend benötigten Medikamenten noch zu ausreichender Verpflegung. amnesty international hat die laotischen Behörden aufgefordert, allen bewaffneten Gruppierungen der Hmong den Zugang zu Vertretern der UN und Hilfsorganisationen zu gewähren, sodass sie gemäß den Verpflichtungen des humanitären Völkerrechts versorgt werden können. Es wird allgemein angenommen, dass die vietnamesische Armee die laotischen Sicherheitskräfte bei Militäroperationen gegen die Hmong unterstützt.
EMPFOHLENE AKTIONEN: Schreiben Sie bitte weitere Telefaxe oder Luftpostbriefe, in denen Sie
APPELLE AN:
Bounyang Vorachit, Prime Minister, Office of the Prime Minister, Rue Sisavat, Vientiane, LAOS (Regierungschef - korrekte englische Anrede: Dear Prime Minister)
Telefax: (00 856) 21-212 408 (c/o Ministry of Information)
Somsavat Lengsavat, Deputy Prime Minister and Minister of Foreign Affiars, Ministry of Foreign Affairs, That Luang, Vientiane, LAOS
(Innenminister und Vizepremierminister - korrekte englische Anrede: Dear Minister)
Telefax: (00 856) 21-414 009
KOPIEN AN:
Kanzlei der Botschaft der Demokratischen Volksrepublik Laos, Bismarckallee 2 a, 14193 Berlin
(S. E. Herrn Khouanta Phalivong)
Telefax: 030-8906 0648
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Laotisch, Französisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 6. August 2003 keine Appelle mehr zu verschicken.
RECOMMENDED ACTION: Please send appeals to arrive as quickly as possible, in English, French or your own language:
- expressing grave concern for the safety of four Lao nationals, whose identities are unknown, who 7were arrested on 4 June 2003;
- expressing grave concern for the safety of Pa Fue Khang, an ethnic Hmong Lao national, arrested around 4 June 2003;
- welcoming that Pastor Naw Karl Mua (an ethnic Hmong and a US national), Belgian national Thierry Falise, and French national Vincent Reynaud were allowed consular access on 15 and 16 June;
- urging the authorities to make public the identity of the Lao nationals, the place of detention of all those arrested and any charges against them;
- urging the authorities to ensure that none of those detained will be tortured or ill-treated in detention;
- calling on the authorities to give the eight detainees immediate access to lawyers, relatives, and any necessary medical treatment;
- calling on the authorities to release those detained immediately and unconditionally if they are held solely for exercising their rights to freedom of expression and association.