Urgent Action
UA-Nr: UA-165/2003
AI-Index: ASA 26/004/2003
Datum: 11.06.2003

DROHENDE FOLTER

Laos:

Pastor Maw Karl Mua, US-Staatsbürger
Thierry Falise, belgischer Staatsbürger
Vincent Reynaud, französischer Staatsbürger
und vier laotische Staatsbürger unbekannten Namens

Am 4. Juni 2003 sind dem Vernehmen nach vier laotische Staatsbürger und drei Ausländer von örtlichen Sicherheitskräften im Bezirk Phoukout der Provinz Xieng Khouang nordöstlich der Hauptstadt Vientiane festgenommen worden. Ihr gegenwärtiger Aufenthaltsort ist nicht bekannt, sodass sie in Gefahr sind, gefoltert zu werden, und Anlass zu großer Sorge um ihre Sicherheit besteht.

Der französische Photograph Vincent Reynaud und der belgische Journalist Thierry Falise recherchierten für einen Bericht über Rebellen der Volksgruppe der Hmong und ihre Familien, als sie in Haft genommen wurden. Meldungen zufolge waren sie zu dem Zeitpunkt in Begleitung eines Pastors der Hmong namens Maw Karl Mua, der neben der laotischen auch die US-Staatsbürgerschaft besitzt, sowie von vier ortskundigen Führern unbekannten Namens. Laut unbestätigten Berichten soll mindestens eine Person bei der Festnahme getötet worden sein. Der Aufenthaltsort der Inhaftierten ist nicht bekannt.

Es wird angenommen, dass die sieben Festgenommenen von den Sicherheitskräften vernommen werden, um durch sie den genauen Aufenthaltsort der Hmong-Rebellen herauszubekommen, gegen die die laotischen und vietnamesischen Streitkräfte eine militärische Operation durchführen. Es ist daher zu befürchten, dass die Inhaftierten während des Verhörs misshandelt oder gefoltert werden könnten. Besonders gefährdet sind die vier Laoten. amnesty international liegen zahlreiche Berichte aus erster Hand und andere verlässliche Informationen über die weit verbreitete Praxis der Folter und Misshandlung in Polizeizellen und Gefängnissen insbesondere von Hmong vor.

Im Februar und April dieses Jahres gab es Berichte über zwei Anschläge auf Überlandbusse zwischen Vientiane und Luang Prabang, wobei 20 Personen getötet worden sein sollen, darunter mehrere ausländische Touristen. Zwar besteht offenbar kein direkter Zusammenhang zwischen diesen Bombenattentaten und den Hmong-Rebellen, aber sie deuten auf eine allgemeine Zunahme an Aktivitäten bewaffneter Oppositionsgruppen in dem Land in jüngster Zeit hin. Nach offizieller laotischer Darstellung waren keine Hmong an den Anschlägen beteiligt, sondern es handelte sich um „Raubüberfälle von Banditen“.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Die ethnische Minderheit der Hmong in Laos war während des Vietnamkriegs in den siebziger Jahren ein Verbündeter der US-Streitkräfte bei den Kämpfen sowohl in Vietnam als auch in den Nachbarstaaten Laos und Kambodscha. Seit langem schon streben die Hmong nach Unabhängigkeit und leisten der laotischen Regierung Widerstand. Seit dem Fall des bis dahin herrschenden Regimes und der Gründung der Demokratischen Volksrepublik Laos 1975 sollen bis zu ein Drittel der dort lebenden Hmong das Land verlassen haben. Die meisten von ihnen suchten in den USA Zuflucht, aber viele von ihnen mussten viele Jahre in Flüchtlingslagern in Thailand zubringen. In Laos kommt es sporadisch immer wieder zu Widerstandsaktionen der Hmong, und es gibt Meldungen über schwere Menschenrechtsverletzungen an Hmong, die von den laotischen Behröden pauschal als Regierungsgegner angesehen werden.

Vor kurzem erschien in der Zeitschrift „Time Asia“ eine Photoreportage über eine Gruppe von mehreren 100 Hmong-Rebellen und ihren Familien, nachdem andere ausländische Journalisten sie zuvor ausfindig machen konnten. Anschließend haben auch Vincent Reynaud und Thierry Falise diese Gruppierung aufgesucht, die nur mit veralteten leichten Waffen ausgerüstet ist. Aus Angst vor Vergeltungsaktionen der laotischen Behörden, weigern sie sich, ihre Waffen niederzulegen. Zu der Gruppe gehören Frauen, Kinder und alte Menschen. Sie haben weder Zugang zu dringend benötigten Medikamenten noch zu ausreichender Verpflegung. amnesty international hat die laotischen Behörden aufgefordert, allen bewaffneten Gruppierungen der Hmong den Zugang zu Vertretern der UN und Hilfsorganisationen zu gewähren, sodass sie gemäß den Verpflichtungen des humanitären Völkerrechts versorgt werden können. Es wird allgemein angenommen, dass die vietnamesische Armee die laotischen Sicherheitskräfte bei Militäroperationen gegen die Hmong unterstützt.

EMPFOHLENE AKTIONEN: Schreiben Sie bitte Telefaxe oder Luftpostbriefe, in denen Sie

APPELLE AN:

Bounyang Vorachit, Prime Minister, Office of the Prime Minister, Rue Sisavat, Vientiane, LAOS (Regierungschef - korrekte englische Anrede: Dear Prime Minister)
Telefax: (00 856) 21-212 408 (c/o Ministry of Information)

Somsavat Lengsavat, Deputy Prime Minister and Minister of Foreign Affiars, Ministry of Foreign Affairs, That Luang, Vientiane, LAOS
(Innenminister und Vizepremierminister - korrekte englische Anrede: Dear Minister)
Telefax: (00 856) 21-414 009

KOPIEN AN:

Kanzlei der Botschaft der Demokratischen Volksrepublik Laos, Bismarckallee 2 a, 14193 Berlin
(S. E. Herrn Khouanta Phalivong)
Telefax: 030-8906 0648

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Laotisch, Französisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 23. Juli 2003 keine Appelle mehr zu verschicken.

RECOMMENDED ACTION: Please send appeals to arrive as quickly as possible, in English, French or your own language or your own language:

- expressing concern for the safety of four Lao nationals, whose identities are unknown, Pastor Maw Karl Mua (an ethnic Hmong and a US national), Belgian national Thierry Falise and French national Vincent Reynaud; who were arrested on 4 June 2003;

- urging the authorities to make public the identity of the Lao nationals, the whereabouts of all those arrested and any charges against them;

- urging the authorities to ensure that none of those arrested will be tortured or ill-treated in detention;

- calling on the authorities to give the seven detainees immediate access to lawyers, relatives and any necessary medical treatment;

- calling on the authorities to release those detained immediately and unconditionally if they are held solely for exercising their rights to freedom of expression and association.