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Aktion zum 8. März 2012

Kambodscha: Frauen gegen Zwangsräumung - Aktion zum 8. März 2012

Rechtswidrige Zwangsräumungen gehören seit Jahren zu den gravierendsten Menschenrechtsverletzungen in Kambodscha. Tausende Menschen sind von Zwangsräumungen, illegalen Landnahmen und Landstreitigkeiten betroffen. Allein in der Hauptstadt Phnom Penh wurden zwischen 1990 und 2011 ca. 10 % der Stadtbevölkerung zwangsumgesiedelt.

Frauen sind von den illegalen Zwangsräumungen besonders betroffen, häufig verliert die Familie ihre Lebensgrundlage, soziale Netzwerke auf die vor allem Frauen in ihrem Alltag angewiesen sind, brechen zusammen. Oft bedeutet eine Zwangsumsiedlung, dass Kinder einen sehr weiten Schulweg zurücklegen müssen oder die Schule unterbrechen müssen, und dass die Eltern oft nicht mehr über die finanziellen Mittel verfügen das nötige Schulgeld aufzubringen. Der Zugang zum Gesundheitssystem wird erschwert, das physische und mentale Wohlbefinden der Familie beeinträchtigt.

Frauen kämpfen an vorderster Front gegen rechtswidrige Zwangsräumungen und fordern ihre Rechte ein.

Zum 8. März veranstalten die Länderkogruppe Kambodscha und die Themenkogruppe „Menschenrechtsverletzungen an Frauen" die gemeinsame Aktion: „Frauen gegen Zwangsräumung". Mit dieser Aktion möchte Amnesty International erreichen, dass die kambodschanische Regierung die Praxis der rechtswidrigen Zwangsräumungen beendet und Verantwortliche zur Rechenschaft zieht. Es sollen Richtlinien erstellt werden, die es Frauen ermöglichen, gleichberechtigt an allen Gesprächen und Entscheidungen über Kompensationen, Umsiedlung und/oder andere Formen der Unterstützung teilzuhaben. Zudem muss die Regierung darauf achten, dass Umsiedlungsgebiete die Kriterien für angemessene Unterkünfte nach internationalem Recht erfüllen, insbesondere müssen die speziellen Bedürfnisse von Frauen beachtet werden.

Es gibt folgendes Material dazu:

  • Aktionsanleitung mit Empfehlungen und Hintergrundinformationen (Intern)
  • Broschüre (Zusammenfassung der Geschichten zweier Frauen, aus dem englischen Bericht in welchem fünf Frauen porträtiert werden)
  • Petition - Abgabedatum ist der 01.7.2012
  • Doppelseitige Aktions-Postkarten
  • Kurze Filme, in denen beide Frauen porträtiert werden
  • Englischer Bericht „Eviction and Resistance in Cambodia - Five women tell their stories"(Index: ASA 23/006/2011), nur als pdf verfügbar (s. unten "englischsprachige Informationen")

Weitere Infos und das Material bekommt ihr bei:
Susanne Franzke und Alfhild Böhringer; kambodscha-amnesty@tavari.de
Länderkoordinationsgruppe Kambodscha


Englischsprachige Informationen

Cambodia: Women hit hard by wave of forced evictions
Cambodian women are increasingly at the forefront of the battle against a wave of forced evictions sweeping the country, Amnesty International said in a new report that urges the government to halt the practice. Read more.
ASA 23/006/2011, 24 November 2011

Cambodia: Women hit hard by wave of forced evictions - Recommendations
Tens of thousands of people are caught in the grip of forced evictions across Cambodia. Development projects and land disputes are often the precursor to eviction, with the welfare of the affected communities ultimately being trumped by the demands of big business. In this document Amnesty International makes recommendations to the Cambodian government and the international community which include ending the practice of forced evictions and urging that bilateral and multilateral donors ensure they do not support activities that cause human rights violations.
ASA 23/007/2011, 24 November 2011

 


DIE RECHTE DER INDIGENEN VÖLKER WERDEN IGNORIERT

Juni 2008 - Trotz gesetzlichen Schutzes der Indigenen Völker, einschließlich des Rechtes auf Landbesitz, eskalieren Landraub, Landstreitigkeiten und Erschließungsprojekte im Nordosten des Landes, aus dem eine steigende Anzahl von Vertreibungen berichtet wird.

Im August 2004 erteilte die kambodschanische Regierung der in China angesiedelten Wuzhishan L.S Group Company Ltd , die seit Mai desselben Jahres beim Wirtschaftsministerium registriert ist, eine grundsätzliche Landkonzession für eine Pinienbaumplantage in der östlichen Hochlandprovinz Mondulkiri. Ohne eine vorherige Studie über die ökologischen, sozialen oder menschenrechtlichen Auswirkungen, wurde der Firma ein Gebiet von knapp 200,000 Hektar, beinahe das 20fache der gesetzlich erlaubten Fläche zuerkannt, wovon 10,000 Hektar sofort für Versuchspflanzungen bewilligt wurden .

Traditionelles Land des indigenen Volkes der Phnong liegt innerhalb des Gebietes der Konzession. Trotzdem fanden keine Absprachen mit den Phnong vor der Vereinbarung der Konzession statt.

Die heimischen Führer berichteten amnesty international, dass sie, nachdem die Vereinbarungen getroffen worden waren, eingeschüchtert wurden mit ihrem Fingerabdruck der Vereinbarung ihre Zustimmung zu erteilen. Ein Gemeindevorsteher erzählte amnesty international, wie er von Behördenvertretern abgefangen wurde, als er auf einer einsamen Straße mit seinem Moped unterwegs war und genötigt wurde seine Zustimmung mittels eines Fingerabdruckes zu geben; ein Anderer wurde Berichten zufolge im Hause eines hochrangigen Regierungsmitglieds in Anwesenheit von Militärs und Firmenvertretern zur Unterschrift gezwungen.

Als die Firma dann anfing das Land zu räumen, welches nicht abgesperrt oder kartiert worden war, gab es noch immer keinen formellen Vertrag, welche die Abmachungen zwischen der kambodschanischen Regierung und der Wuzhishan L.S Group regelte, ganz abgesehen von einem freien, vorherigen und informierten Einverständnis der Phnong.


Zu diesem Thema hat Amnesty International mehrere englischsprachige Berichte veröffentlicht:
Cambodia burns homes of the poor (ASA 23/002/2008)
Forced evictions in Cambodia: homes razed, lives in ruins (ASA 23/003/2008)
Cambodia: Facing the threat of eviction (ASA 23/004/2008)
Cambodia: Making the poor homeless (ASA 23/005/2008)
Cambodia: Making the poor homeless (ASA 23/006/2008)

Bildstrecke zum Thema Zwangsumsiedlung in Kambodscha

Auf deutsch liegt mittlerweile eine Zusammenfassung vor:
Rechte niedergewalzt - Zwangsvertreibung in Kambodscha

Des weiteren haben wir zwei Kurzpräsentationen zu den Fällen vorbereitet:
Gruppe 78, von Zwangsvertreibung bedroht
Mittapheap

Außerdem gibt es mittlerweile vier Briefvorlagen an die Regierung in Phnom Penh, in denen die Umstände der Vertreibungen von Mittapheap und Gruppe 78 verurteilt werden:
Mittapheap (Brief 1, Brief 2)
Gruppe 78 (Brief 1, Brief 2)