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Zu den Ereignissen im Kloster Bat Nha


Das Europäische Institut für Angewandten Buddhismus hat einen Musterbrief an die Vietnamesische Botschaft in Berlin und den Deutschen Botschafter in Hanoi vorbereitet. Bitte beteiligen Sie sich an deren Aktion und setzen Sie sich für die Vertriebenen aus dem Kloster Bat Nha ein.
Klicken Sie hier, um zu den Musterbriefen zu gelangen.


Wir von der Amnesty International Vietnam-Koordinationsgruppe der deutschen Sektion sind in den letzten Tagen von verschiedenen Seiten auf die Ereignisse im vietnamesischen Kloster Bat Nha angesprochen worden. Natürlich sind wir besorgt über die Gewalt und die Schikanierung gegenüber den praktizierenden Gläubigen dort, insbesondere gegenüber den 375 Mönche und Nonnen, von der wir gehört haben. Sie sind Anhänger der bekannten buddhistischen Lehrers Thich Nhat Hanh, eines gebürtigen vietnamesischen Mönches und Friedensaktivisten, der in Frankreich lebt und arbeitet. Seine Anhänger wurden am 26./27. September 2009 nach mehreren Monaten anhaltenden Drucks aus Bat Nha vertrieben.

Vor dieser Vertreibung wurden sie wiederholt von Menschen angegriffen. Randalierer, die sich häufig zu Gruppen zusammenrotteten, zeigten sich am Tor und warfen Steine, zerstörten Besitz. Immer wieder kam es zu verbalen Übergriffen. Solche Atacken scheinen mit der Duldung der Polizei stattgefunden zu haben, die Berichten zufolge oft zeitgleich mit den Angreifern auftauchten und nichts taten, um die Bewohner des Klosters zu schützen. Wir haben ähnliche Verhaltensmuster auch an anderen Orten erlebt, wo es die  Vollzugsbehörden unterlassen haben, religiöse Kirchgänger gegen Angriffe, Einschüchterungen und Schikanierung zu schützen.

Wir sind auch besorgt hinsichtlich der Rechtmäßigkeit der jüngsten Vertreibung, die die religiös Ausübenden aus dem Kloster gezwungen haben. Einige glauben, die Behörden hätten die Vertreibung beschlossen, nachdem Aktivisten aus Bat Nha öffentlich die Religionsfreiheit in Vietnam eingefordert haben (bzw. Unterstützung für die verbesserte religiöse Freiheit zum Ausdruck gebracht haben). Wie auch immer, Amnesty International ist besorgt, dass die Vertreibung weder in Anordnung noch Durchführung rechtlich legitimiert war.

Zum Zeitpunkt der Vertreibung scheint die Polizei exzessive Gewalt gegen die Mönche und Nonnen angewendet zu haben. Häufig kam es zu Berichten über Schläge. Nun üben die öffentlichen Sicherheitsbeamten Druck aus, um die Mönche und Nonnen zu zwingen, die nahegelegene Pagode, wo sie Schutz gesucht haben, zu verlassen. Vollzugsbehörden und andere Beamte scheinen die Schickanierung, Einschüchterung und Gewalt gegen Thich Nhat Hanh's Anhängern fortzusetzen, statt ihnen Schutz zukommen zu lassen.

Die vietnamesische Regierung sollte sicherstellen, dass sich die Behörden auf allen Ebenen ihrer Verpflichtung bewusst werden, das Recht der Individuen auf Religions- und Versammlungsfreiheit zu schützen.

Der religiöse Erlass vom November 2004 kodifiziert de facto die staatliche Kontrolle aller Aspekte des religiösen Lebens und wurde von mehreren religiösen Gruppen in Vietnam kritisiert. Während die Zahl der Kirchen, die vom Staat anerkannt werden, seitdem gestiegen ist, sind die Mitglieder jener Kirchen, die noch nicht offiziell anerkannt sind, immer noch Repressionen, auch Bedrohung, Zwangsverleugnung ihres Glaubens, Überwachung und Haft ausgesetzt.

Die vietnamesischen Behörden haben eine lange Tradition in der Verfolgung religöser Gruppen, die sie für staatskritisch halten. Dies beinhaltet zum Beispiel Mitglieder der evangelikalen protestantischen Gemeinschaft, römisch-katholische, Hoa Hao Buddhisten und die Cao Dai Kirche. Die Oberleitung der gebannten Unified Buddhist Church von Vietnam blieb für Jahrzehnte unter Hausarrest oder Restriktionen, darunter der Ehrwürdige Thich Huyen Quang, Oberster Patriarch, der von 1982 bis zu seinem Tod im Juli 2008 unter Hausarrest stand, und neuerdings der Oberste Patriarch Thich Quang Do. Auch Menschenrechtsvergehen gegen die ethnische Minderheit der Montagnards im zentralen Hochland werden fortgesetzt, während einzele Menschen der größtenteils buddhistischen Khmer Krom Gemeinde in der südlichen Provinz An Giang sich ebenso Verfolgung ausgesetzt sehen.