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Haftbedingungen und Hinrichtungspraktiken

Die Bedingungen in Todeszellen sind sehr inhuman und weit davon entfernt, internationalen Standards zu entsprechen. Meist sind 3-4 Gefangene in den kleinen Zelle untergebracht, welche häufig sehr unhygienisch, lediglich mit einer Latrine und ohne Ventilator ausgestattet sind. Obwohl offizielle Informationen über Einzelfälle fehlen, ist bekannt, dass zum Tode Verurteilte im Todestrakt routinemäßig gefesselt sind.

Es gibt keine bestimmte Frist, innerhalb derer Hinrichtungen durchzuführen sind, aber die von amnesty international in einigen Fällen registrierte Verweildauer, die Gefangene im Todestrakt verbracht haben, betrug zwischen vier und sechs Jahren bis das Todesurteil Rechtskraft erlangt hat und vollstreckt werden kann. Gefangenen ist es während dieser Zeit nicht gestattet, ihre Zellen zu verlassen außer wenn sie Besuch bekommen, was aber nicht häufig der Fall ist.

Die Exekutionen werden üblicherweise gegen 4.00 h morgens ausgeführt. Die Gefangenen werden vorher nicht über ihr Hinrichtungsdatum informiert, was dazu führt, dass sie nachts durch die permanente Angst aufgerufen zu werden, wach bleiben. Sie schlafen erst nach 6.00 h ein, wenn sie Gewissheit darüber erlangt haben, dass sie an diesem Tag nicht mehr aufgerufen werden. Gefangene, die hingerichtet werden sollen, werden vor ein fünfköpfiges Erschießungskommando gestellt, zuweilen öffentlich in Gegenwart einer großen Zuschauermenge, so zum Beispiel am 5. November 2003 am Stadtrand von Ho-Tschi-Minh-Stadt und am 11. November 2003 in der Provinz Nam Dinh vor jeweils fast 1.000 Menschen. Die Delinquenten werden dazu mit verbundenen Augen und geknebelt an Holzpfähle oder Holzgestelle gefesselt.

Die Angehörigen von zum Tode Verurteilten werden nicht über den Zeitpunkt der Hinrichtung informiert, werden aber zwei oder drei Tage nach der Hinrichtung gebeten, die Habseligkeiten der exekutierten Gefangenen abzuholen. In einigen Fällen werden die Leichen der Hingerichteten erst nach drei Jahren den Familien übergeben.

Im Oktober 2004 ersuchte der Ministerpräsident die Polizei, eine andere Hinrichtungsmethode in Erwägung zu ziehen, weil manche Mitglieder der Exekutionskommandos wegen des psychischen Stresses, insbesondere wenn es sich bei den Verurteilten um Frauen handelt, das Ziel verfehlten. Im Februar 2006 schlug das Ministerium für öffentliche Sicherheit vor, Hinrichtungen durch Giftinjektionen durchzuführen. Dies steht jetzt auch zur Diskussion. amnesty international betrachtet jede Hinrichtung als äußerste Men­schenrechtsverletzung, die auf alle, die damit zu tun haben, verrohend wirkt. Werden Hinrich­tungen mit einer Giftinjektion durchgeführt, kann dies zu einem langen, qualvollen Tod füh­ren.

Quellen:

Amnesty International, Asien - Ein Kontinent setzt auf die Todesstrafe, Bericht der Koordinationsgruppe gegen die Todesstrafe, 2009

Amnesty International (2006), Duong Quang Tri: Wegen Steuerhinterziehung zum Tode verurteilt, ASA 41/004/2006,

http://www.amnesty.org/en/library/asset/ASA41/004/2006/en/3d975a6d-d434-11dd-8743-d305bea2b2c7/asa410042006en.pdf

FIDH (2008): The Death Penalty in the Socialist Republik of Vietnam,

http://www.fidh.org/The-Death-Penalty-in-the-Socialist